SCHNEE UND LAWINEN

Skitouren Special

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Die Lawine ist DER Spielverderber in den Bergen im Winter

Lawinen sind eine sehr komplexe aber eigentlich recht gut erforschte Naturgewalt. Sie folgen lediglich physikalischen Grundgesetzen. Einzig laufen alle Prozesse im verborgenen, sprich innerhalb der Schneedecke ab. Diese Abläufe werden über den Winter laufend beobachtet, sodass es den Experten möglich ist eine gute und verlässliche Bewertung der Lawinengefahr abzugeben. In den Lawinenlageberichten geben sie diese Informationen weiter. Aber wie entstehen eigentlich Lawinen, was passiert im Inneren der Schneedecke und welche Arten von Lawinen gibt es?

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Definition: Lawine

Generell wird zwischen einem Schneerutsch und einer Lawine unterschieden. In der Fachsprache spricht man ab raschen Schneebewegungen über einer Länge von 50 Metern von einer Lawine. Das bedeutet: Es muss sich genügend Schnee in einem ausreichend steilen Gelände ansammeln und in Bewegung geraten. Dafür sorgt meist ein Auslöser. Das kann eine plötzliche Zusatzbelastung sein – z.B. Tiere, Menschen, Felsstürze, usw. Oder ein stetiger Anstieg des Gewichts durch Schneefall, Wind oder Wassereintrag als natürlicher Prozess.

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Schnee

Alles beginnt mit dem Hereinbrechen der kalten Jahreszeit. Die Temperaturen fallen und in den Wolken sammeln sich die Eiskristalle in den unterschiedlichsten Mustern. Der Schnee fällt zu Boden und bildet eine geschlossene Schneedecke, die wir Wintersportler so sehr lieben. Ab diesem Zeitpunkt beginnt sich der Schnee zu verändern. Ihre Struktur im Anfangsstadium, mit den vielen Armen und Verzweigungen lässt Platz für jede Menge Luft in den Zwischenräumen und sorgt dafür, dass sich die einzelnen Schneeflocken trotzdem gut ineinander verkeilen und sich gegenseitig zusammenhalten. Jetzt gibt es besten Pulverschnee. Damit ist es jedoch schon bald wieder vorbei. Je nach äußeren Einflüssen mancherorts schneller, andernorts langsamer. Der Schnee beginnt sich zu wandeln und die zur Beurteilung der Lawinengefahr so entscheidenden Prozesse im Inneren der Schneedecke starten.

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Abbauende Umwandlung

Durch Ansteigen der Temperaturen, aber auch durch den Eigendruck der Schneedecke geht es zunächst den vielen Verzweigungen an den Kragen: Sie beginnen zu Schmelzen, die Arme verschwinden und die sogenannte „Abbauende Umwandlung“ macht aus den unterschiedlichsten Schneekristallen langsam kleine runde Körner. Die Luft aus den vielen Zwischenräumen verschwindet, und die Schneedecke setzt sich. An den Kontaktpunkten dieser Körner kommt es zu festen Verbindungen und es entsteht eine recht stabile Schneedecke.

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Aufbauende Umwandlung

Sobald sich der Schnee gesetzt hat, und der Abbau der Schneekristalle stattgefunden hat ist die Veränderung in der Schneedecke aber noch nicht abgeschlossen. Gibt es größere Temperaturunterschiede innerhalb der Schneeschicht, weil die Bodentemperatur unterhalb der isolierenden Schneedecke konstant bei 0 Grad liegt, aber extrem kalte Lufttemperaturen herrschen, kommt es zur sogenannten „aufbauenden Umwandlung“. Diese ist ungünstig für die Lawinensituation, weil dadurch Schwachschichten innerhalb der Schneedecke entstehen. Die aufsteigende wärmere Luft nimmt kleine Teile der untersten Kristalle mit nach oben, kühlt sich ab und gefriert wieder in den kälteren Schichten. Dadurch entstehen sogenannte Becherkristalle. Sie haben absolut keine Bindung mehr untereinander und bieten eine extrem gute Gleitfläche für den darüberliegenden Schnee. Diese Schwachschichten liegen im inneren der Schneedecke verborgen. Damit der Prozess der Aufbauenden Umwandlung in Gang kommt, braucht es ca. einen Temperaturunterschied von 15°C pro Meter Schnee. Das ist zum Beispiel einer der Gründe, warum eine mächtige Schneedecke meist stabiler ist als eine weniger dicke Schneeschicht. Deshalb findet man Schwachschichten häufig an Geländekanten und in der Nähe von Felsen, wo meist weniger Schnee liegt.

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Schmelzumwandlung

Die Schmelzumwandlung ist eine typische Frühlingssituation. Sie entsteht, sobald die Temperatur innerhalb der Schneedecke auf über 0°C steigt. Wasser sickert durch die Hohlräume und lässt die Körner, die von den einst so schönen Schneekristallen noch übrig sind über Nacht wieder zusammenfrieren. Dadurch entsteht eine sehr sichere Lawinensituation am Morgen. Vorausgesetzt die Schneedecke konnte bei Minusgraden ordentlich auskühlen. Vorsicht ist im Frühjahr bei bedeckten Nächten geboten, da diese oft weniger kalt sind. Mit der Sonne und der tageszeitlichen Erwärmung wird diese Schneedecke langsam wieder feuchter. Zunächst nur an der Oberfläche. Sind an der obersten Schicht wenige Zentimeter aufgeweicht, ist der ideale Zeitpunkt für die Abfahrt gekommen. Jetzt herrschen beste Firnverhältnisse. Je später es wird, desto höher wird die Gefahr von Nassschneelawinen.

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Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf die verschiedenen Lawinenarten eingehen. Abhängig von mehreren Faktoren wird zwischen Staublawine, Schneebrett, Lockerschnee- und Nassschneelawinen unterschieden. Staublawinen treten vor allem nach Neuschneefällen in extrem steilem Gelände auf und lösen sich vorwiegend spontan (oder durch Sprengungen). Sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h und bringen eine enorme Druckwelle mit sich. Am gefährlichsten für Skitourengeher sind jedoch die Schneebretter. Eine Schneedecke, die in sich gebunden ist und über eine Gleitschicht mit 50 – 100 km/h zu Tal donnert. Charakteristisch sind Schwachschichten innerhalb der Schneedecke, die durch eine Zusatzbelastung gestört werden. Lockerschneelawinen haben eine typische Kegelform. Sie starten ganz klein und aufgrund des extrem steilen Geländes in dem sie vorkommen, wird immer mehr Schnee mitgerissen. Lockerschneelawinen treten meist bei Neuschnee auf und sind für Skitourengeher im Prinzip nicht gefährlich. Nassschneelawinen hingegen sind typisch für den Frühling. Sie werden durch eine starke Durchfeuchtung der Schneedecke ausgelöst und

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