Abenteuer in

KORSIKA

Fotos: Brunner Andreas

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Die Insel die alles zu bieten hat. Klettern, schnorcheln, wandern, surfen und Canyoning.

Man hört und liest viel Schönes über Korsika, die Insel mit den höchsten Bergen im gesamten Mittelmeerraum. Kaum verwunderlich also, dass Kletterer von der Insel schwärmen. Vor allem die einzigartigen Tafoni lassen deren Herzen höherschlagen. Wunderschöne Täler und Flüsse gibt es zu Hauf. Ein Paradies zum Wandern und Canyoning. Mit dem GR20 finden hier auch Trekker einen wahren Leckerbissen unter den europäischen Weitwanderwegen. Im Winter verwandelt sich die Insel in ein Skitoureneldorado – sofern es genügend schneit, was nicht jedes Jahr der Fall ist. Manche behaupten sogar, sie könnten Korsika nur am Geruch der unzähligen wilden Kräuter erkennen. Die rund 1000 Kilometer lange Küste bietet zudem jede Menge Traumbuchten und Strände für sonnenhungrige. Was will man mehr? Für Outdoor-Enthusiasten sowie sonnenhungrige eine wahre Perle im Mittelmeer.

Canyoning Paradies

Ankunftsort per Fähre ist in den meisten Fällen Bastia im Nordosten der Insel. In unserem Fall über Nacht von Savona aus. Es ist Mitte September, der größte Touristenandrang der Hochsaison im Juli und August ist vorbei und die Wassertemperatur im Meer ist angenehm warm, in den Flüssen ist es zumindest angenehmer als im Rest des Jahres. Wir fahren über eine der vielen engen und kurvenreichen Bergstraßen in das Herz der Insel. Mitten hinein in die schroffe Gebirgswelt.

Obwohl unser Navi irgendwann nur noch knapp 40 Kilometer bis zu unserem Zielort, dem Camping Tuani im Restonicatal anzeigt, haben wir noch über eine Stunde zu fahren. Ein Umstand, an den man sich auf Korsika gewöhnen sollte. Dafür verlaufen die Straßen durch wunderschöne Landschaften und man kann die viele Zeit wunderbar nutzen diese auch ausgiebig zu genießen. Von der zentral auf der Insel liegenden Stadt Corte führt das Restonicatal in die Berge. Hier finden sich jede Menge Wander-, Bade-, Kletter- und Canyoning Möglichkeiten auf engstem Raum. Wir staunen nicht schlecht als wir am Ausgangspunkt für eine Wanderung zu den beiden kreisrunden Seen Lac de Melo und Lac de Capitello ankommen und sehen wie voll der Parkplatz im Talende ist. Doch gerade die Einfachheit dieser schönen Wanderung zu den beiden kristallklaren Gebirgsseen lockt jeden Tag viele Besucher an.

Tavignanotal

Wesentlich ruhiger geht es nur ein Tal weiter zu: Im autofreien Tavignano Tal. Hier haben wir uns eine besondere Tour vorgenommen: Über den Wanderweg, der an der Südflanke in der prallen Sonne Taleinwärts führt, spazieren wir 2 Stunden bis zu den Flussbadestellen an der Ponte di u Russulino. Dabei naschen wir kiloweise Brombeeren die entlang des Weges wachsen. Unsere Sachen haben wir in einem wasserfesten Rucksack verstaut, da wir den Rückweg entlang des Flusses planen.

Es handelt sich um eine einfache Canyoning Tour, die ohne technische Ausrüstung machbar ist. Zahlreiche Schwimmpassagen und kleinere Sprünge von maximal 3 Metern gibt es entlang der Strecke zu bewältigen. Für jene die es gern etwas aufregender haben sind optional auch Sprünge bis zu 14 Meter möglich. Das Wasser ist unbeschreiblich klar und das Farbenspiel mit der Landschaft und dem einzigartigen Flair des Tavignanotales geben ein super Motiv für zahlreiche Fotos.

Wir folgen dem gesamten Flusslauf bis zurück nach Corte. Dort haben wir am Morgen unser Auto an der Zitadelle abgestellt. Jedoch lange bevor wir wieder dort ankommen klappern unsere Zähne und das kalte Flusswasser kühlt unseren Körper ordentlich aus. Ein Neoprenanzug wäre sicherlich ein guter Tipp für diese Tour. Zumindest sorgt das für etwas mehr Genuss in den immerhin 3 Stunden die man für den Rückweg über den Fluss einplanen sollte.

 

Klettern und Meer

Es gäbe noch vieles zu entdecken im Restonicatal, aber uns zieht es weiter ans Meer. Bei einem Zwischenstop im sonnigen Klettergarten von Cuccia brüten wir nochmal richtig in der Mittagshitze. Je länger der Tag dauert, desto mehr erkennen wir, dass wir eindeutig die falsche Wahl bei den doch noch recht heißen Tagen im September getroffen haben. Der Ruf nach Abkühlung wird von Route zu Route stärker bis wir diesem nachgeben und nach Sagone an der Westküste fahren. Hier verbringen wir einige Tage an der Küste. Wir nutzen die Möglichkeit direkt am Strand von Porto zu klettern und sowohl das Meer als auch den korsischen Granit zu genießen.

Wandern und Bergsteigen

Tags darauf werden die Kletterpatschen und die Flip-Flops wieder mit den Trekkingschuhen getauscht und wir wählen den Capu d´Orto als Tagesziel. Inmitten der wilden und rot schimmernden Felslandschaft der Calanche erhebt sich dieser Hausberg Portos. Am Wegesrand trifft man auf die unglaublichsten Felsformationen, die berühmten Tafoni, an denen an vielen Orten Korsikas auch geklettert wird und wofür die Insel bei Kletterern auch so berühmt ist. Auf den 1000 Höhenmetern gibt es jede Menge Abwechslung für die Augen. In unserem Rücken befindet sich die Küstenstadt Porto (korsisch: Portu) und nördlich davon der Nationalpark Scandula welchem wir auch noch einen Besuch abstatten.

Bootsausflug zum Nationalpark Scandula

Der Nationalpark ist lediglich vom Meer aus oder durch lange Wanderungen erreichbar. Wir wählen den Seeweg, um nochmal eine andere Perspektive zu erleben. Die Scandula ist eine der schönsten und atemberaubendsten Landschaften Korsikas und als Nationalpark auch besonders geschützt. Normalerweise könnte man auf eigene Faust die Küste erkunden, leider ist an diesem Tag eine derart raue See, dass keine Boote für individuelle Erkundungstouren ausgeliehen werden. Wir müssen uns mit einem der größeren Touristenboote begnügen und nehmen Platz zwischen knapp 40 rüstigen Senioren. Unsere Schnorchelausrüstung muss an diesem Tag leider im Rucksack bleiben. Wir können uns lediglich vorstellen wie spektakulär es wäre in diesen wunderschönen Becken zwischen bizarren Felsformationen zu schnorcheln. Den Käpten können wir leider nicht zu einem kurzen Zwischenstop überreden.

Korsikas Flussbadestellen - die Gumpen

Berühmt ist Korsika neben köstlichem Käse, den wilden Kräutern und Kastanien aber vor allem durch seine Gumpen – den Flussbadestellen. Dieses Erlebnis im kristallklaren Wasser, in den über Jahrmillionen perfekt ausgespülten Becken zu schwimmen sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Am schönsten soll der Purcaraccia Canyon im Südosten der Insel sein. Leider ist dort Regenwetter vorhergesagt und wir entscheiden uns für den wesentlich näher an unserer Unterkunft liegenden Vecchio Fluss nahe Vivario. Das stürmische Wetter und der Regen der letzten Tage hat das sonst so saubere und klare Wasser in eine bräunliche Suppe verwandelt. Wir wissen jedoch noch aus dem Restonicatal, wie schön das Wasser hier normalerweise sein kann. Nichtsdestotrotz genießen wir einen phantastischen Tag und entdecken viele spannende und schöne Sprungmöglichkeiten in die Becken entlang des Flusses.

Der Ziocu Canyon

Als wir einige Tage später den Ziocu Canyon besuchen, hat das Wasser wieder die gewohnte korsische Qualität und Klarheit. In diesem Canyon, der sich nahe des Dorfes Soccia befindet, ereignete sich in diesem Sommer 2018 eine schlimme Tragödie. 5 Menschen kamen bei einer Canyoning Tour ums Leben. Durch ein plötzlich auftretendes Gewitter und starken Regen schwoll der Fluss binnen Sekunden an und eine Flutwelle rauschte durch die Schluchten des Flusses, der leider für die Gruppe zu einer tödlichen Falle wurde. Es macht deutlich, dass diese Canyons, so schön sie bei gutem Wetter auch sind und so harmlos sie bei Sonnenschein wirken, so können sich die Bäche binnen Sekundenbruchteilen in reißende Ströme verwandeln. Der Ziocu Canyon ist jedoch auch ohne Gefahr an einem gewitterträchtigen Tag genießbar. Im oberen Bereich befinden sich zahlreiche schöne und einfach zu erreichende Becken.

Surfing in Korsika

Damit haben wir eigentlich nicht gerechnet: Für unseren letzten Tag auf der Insel sind ungewöhnlich hohe Wellen vorhergesagt. Eine unverhoffte Chance, die wir auf alle Fälle nutzen wollen. Wir fahren an den Farinola Strand am Nordzipfel der Insel. Wenn es die Bedingungen zulassen ist er ein beliebter Hotspot zum Surfen und einer der wenigen Strände im Mittelmeer wo die Wellen tatsächlich häufiger groß genug zum Surfen werden. Direkt am Strand kann bei entsprechendem Wellengang für 10 € pro Stunde ein Surfbrett inklusive Neoprenshirt ausgeliehen werden. Und schon kann der Spaß losgehen. Nach einigen Litern Salzwasser intus gelingt es mir die vor vielen Jahren in Portugal erlernten Surffähigkeiten zumindest ansatzweiße wieder hervorkitzeln. Definitiv noch ein krönender Abschluss für eine abenteuerliche Zeit auf einer der schönsten, wildesten und ursprünglichsten Inseln im Mittelmeer, die zudem auch noch für Überraschungen gut ist.

Wir sind per Fähre nach Korsika gereist. Auch eine Anreise mit dem Flugzeug ist natürlich möglich. Mit der Bahn anzureisen ist nicht so empfehlenswert, da die Fahrpläne der Züge und jene der Fähren nicht gut abgestimmt sind. Dadurch hat man mit langen Wartezeiten zu rechnen.

Frankreich bietet Schiffsverbindungen nach Korsika von Marseille, Nizza und Toulon an. Aus Italien starten Fähren von Savona, Genua, Livorno und Piombino. Sie laufen verschiedene Häfen auf der ganzen Insel an. Die Dauer der Überfahrt variiert je nach Entfernung und Fährtyp zwischen zwei bis sechs Stunden. In unserem Fall sind wir in Savona gestartet und in Bastia eingelaufen.

Nimmt man die Fähre hat man den großen Vorteil, dass man auf der Insel mit dem Auto viele der entlegenen Kletter-, Wander- und Canyoninggebiete erreichen kann. Das öffentliche Verkehrsnetz ist auf Korsika eher schlecht ausgebaut.

Auf der Insel gibt es jede Menge Campingmöglichkeiten und wirklich schöne idyllische Plätze um sein Zelt aufzuschlagen. Im Restonicatal ist der Camping Tuani sehr zu empfehlen. An der Küste haben wir uns eine Ferienwohnung gemietet.

Generell sollte man sich auf verwinkelte und enge Gebirgsstraßen einstellen. Fahrtzeiten sind dementsprechend etwas länger, dafür sieht man umso mehr von der wunderbaren Landschaft Korsikas.

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