Aiguille du Bionnassay (AD)


Tag 3 der Royal Traverse auf den Mont Blanc. Die Tage 1 und 2, an denen wir über die Conscritshütte und die Domes de Miage bis hier her gelangt sind, waren bereits ordentlich anstrengend. Doch der eigentliche Hammertag stand uns an diesem Tag noch bevor. Geweckt wurden wir um 3 Uhr früh. Zusammen mit einer spanischen Seilschaft würden wir an diesem Tag die einzigen unterwegs auf dieser Tour sein.

Im Schein der Taschenlampen suchen wir uns den Weg, zunächst nicht schwierig in steinigem Gelände (später auch immer wieder Eis- und Firnpassagen) hinter der etwas größeren Biwakschachtel mit sehr guter Köchin, mehr ist die Durierhütte wahrlich nicht, bis zum Einstieg der Schlüsselpassagen dieser Royalen Traverse: der Felsteil bevor man auf den messerscharfen Firngrat der Aiguille du Bionnissay gelangt. Hier ist ordentliches Zupacken im IV. Grad erforderlich. Der Fels ist fest und die Kletterei ein Traum – das Ende des Felsteils viel zu schnell erreicht.


Nun geht es über eine steile Eisflanke direkt hinauf auf den wirklich messerscharfen Grat mit atemberaubenden Tiefblicken. Wir hatten natürlich nichts davon, sondern kletterten im dichten Nebel. Die Bedingungen auf dem Grat waren leider nicht besonders gut und wir konnten nicht direkt auf dem Grat gehen sondern mussten an den Flanken, zum Teil im Blankeis, entlangklettern und mit Eisschrauben sichern. Das kostete uns einiges an Zeit.


Als wir am Dome du Gouter ankamen war es genau Mittag. Ich hatte irgendwo gelesen, dass, wenn man nicht innerhalb des Vormittags am Dome du Goute ist, unbedingt zur Gouterhütte absteigen sollte und erst am nächsten Tag zum Gipfel des Mont Blanc weitetgehen. Da waren wir nun um 12 Uhr Mittags an besagtem Punkt - und gingen weiter. Armin war bereits einmal auf dem Mont Blanc und hatte mich vorgewarnt vor den unglaublichsten „Bergsteigern“ die hier unterwegs sind (und hier oben eigentlich nichts verloren hätten). Und denen begegneten wir tatsächlich zur Genüge.


Zum Glück mussten wir uns auf uns konzentrieren, die Beine waren komplett müde von den anstrengenden Tagen mit den schweren Rucksäcken und die Energiereserven fast aufgebraucht. Trotzdem überholten wir noch viele und fragten uns ob die alle bis 10 uhr ausgeschlafen haben, wenn sie von der Gouterhütte gestartet sind?



Egal: wir erreichten den Gipfel und machten uns an an langen Abstieg bis zur Cosmiquehütte. Mit 2 Gegenanstiegen jeweils einen am Mont Maudit und am Mont blanc du Tacul. Am Mont Maudit war in der steilen Flanke einmal abzuseilen. Wir gingen ohne langes Zögern an den völlig überforderten Tschechen vorbei die noch protestierten, dass sie bereits 2 Stunden warten – italienermodus an: und mit einem mitleidigen Achselzucken kommentieren – schnell das Seil eingehängt und in Null-komma nix waren wir weg. Ein Tscheche bat mich noch flehend um Hilfe für die 2 Meter herunter zum Fixpunkt an dem wir unser Seil befestigt hatten als Armin bereits abseilte: I'm so afraid – please help“ – ich half und dachte mir nur: „ok, Armin hatte definitiv recht mit seiner Vorwarnung“.

Beim Gegenanstieg zum Mont Blanc du Tacul legten wir nochmal eine längere Pause ein, packten den Kocher aus und machen Tee. Dabei beobachten wir wie ein Teil der Tschechen in der steilen Flanke als Seilschaft abrutscht und nach 100mt. zum Glück unverletzt zum Stehen kommt.

Wir packen wieder zusammen und erreichen um 7 Uhr am Abend – nach 16h auf den Beinen – die Cosmiquehütte. Glücklich und zufrieden schlafen wir ein, mit dem Wissrn am nächsten Tag ausschlafen zu können um dann über den Cosmiquegrat auf die Aiguille du Midi zu gelangen wo uns die Bahn nach Chamonix bringen wird. Danach fuhren wir direkt in die Dauphine um die Königstour – die Meije Traverse zu machen…


GPX Daten:

Mont Blanc
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Tags: Hochtour, Westalpen, Frankreich, Mont Blanc, Royal Traverse, Aiguille du Bionnassay

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