Alpamayo - French Direct (TD-/70°)



Vieles haben wir bereits im Vorfeld unserer Peru-Reise über den Alpamayo gesehen und gelesen. ALPIN hatte diesen fernen Berg im Jahr 1966 sogar zum schönsten der Erde gekürt! Viele Vorschusslorbeeren also für einen der zahlreichen traumhaft schönen Gipfel der Cordillera Blanca.



Doch zunächst verbringen wir einige Tage in Huaraz und im Ishinca Valley, um uns an den umliegenden Bergen Urus, Ishinca und Tocclaraju ausgiebig zu akklimatisieren. Erst dann brechen wir zum eigentlichen Ziel unserer Reise auf. Beim zweitägigen Zustieg durch das Santa-Cruz-Tal ins Basecamp des Alpamayo schweift unser Blick auch immer wieder zum gegenüberliegenden Artesonraju, der durch das Logo der Filmproduktionsgesellschaft Paramount Pictures weltbekannt ist. Wir sind uns einig, dass auch er ein heißer Kandidat für den Titel damals gewesen wäre.




Es folgt noch eine weitere Nacht im Basislager, bevor wir zum Hochlager auf 5.500 Meter aufsteigen. Den Alpamayo sehen wir bereits seit unserer Ankunft im Basislager und sind noch nicht wirklich überzeugt. Erst als wir im Aufstieg die Scharte erreichen und ein Stück Richtung Hochlager absteigen, präsentiert er sich uns zum ersten Mal in seiner vollen Pracht und vor allem von seiner berühmten Seite.




Wie ein Koloss aus Schnee und Eis ragt er vor uns auf: extrem steil und unzugänglich. Solche Bergformen würde ein Kind malen! Zunächst stehen wir nur da, staunen und genießen. Die Route für den weiteren Aufstieg ist nicht schwer zu finden. Schnurgerade ziehen mehrere Eislinien vom Gipfelgrat herab, jede davon wiederum eingerahmt von steilen Schnee- und Eiswänden. Mit der Konsequenz, dass man erst am Gipfel wieder aussteigen kann, hat man sich einmal für eine Linie entschieden.



Die "French direct" ist wohl die begehrteste und meist begangene Route. Auch sie endet direkt am höchsten Punkt und ist unser Ziel für den kommenden Tag. In manchen Jahren ist sie nicht begehbar aufgrund von Séracs, die drohen in den Eiskanal zu stürzen. Wir jedoch haben Glück: Die Verhältnisse für eine Besteigung in diesem Jahr sind sehr gut. Zielstrebig bauen wir die Zelte auf, dabei schweifen unsere Blicke immer wieder gen Alpamayo. Im Minutentakt ändert die untergehende Sonne das Farbenspiel in seinen Flanken. Spätestens jetzt sind alle Zweifel beseitigt, ob ein Berg mit dem Titel "der schönste" die hohen Erwartungen erfüllen kann.



Als die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet, sinkt die bisher angenehme Temperatur schnell - schließlich befinden wir uns auf 5.500 Meter über dem Meer. Also verkriechen wir uns in die warmen Schlafsäcke und freuen uns auf den Gipfeltag.



Nach kurzer Nacht läutet uns der Wecker unsanft aus dem Schlaf. Nur ungern verlassen wir die gemütlichen Schlafsäcke hinaus in die bitterkalte Nacht. Stumm führt jeder die routinemäßigen Handgriffe aus. So steht unsere Seilschaft bald startbereit aufgereiht vor den Zelten. Der Zustieg ist kurz und verläuft zunächst leicht abwärts. Schnell finden wir den Einstieg in die Route und stapfen durch den Eiskanal höher.



Die Bedingungen sind phänomenal! Zum Glück sind wir derart früh in der Saison, dass lediglich eine zweite Seilschaft unterwegs ist. Denn jeder sich lösende Eisbrocken wird hier zu einem ungemütlichen Geschoss - immer wieder hallen die Schmerzensschreie der Nachsteiger durch die Morgendämmerung. Mit einigen blauen Flecken, dafür jedoch überglücklich, erreichen wir schneller als gedacht schon in den frühen Morgenstunden den Gipfel. Er bietet kaum Platz für vier Personen - umso mehr genießen wir diesen atemberaubenden Moment auf fast 6.000 Meter Höhe und die grandiose Aussicht auf die wunderschöne Cordillera Blanca.



Hier kommst du zum Bericht der gesamten Peru und Cordillera Blanca Reise, mit mehr Infos über die Planung, Strategie und unsere Akklimatisierungstouren.



GPX Daten:

Alpamayo
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Tags: Hochtour, Eisklettern, Nordwand, Couloir, 6000er, Expedition, Peru, Cordillera Blanca, Huaraz, Santa Cruz Valley, Alpamayo, schönster Berg der Erde

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