Langkofel - Normalweg (III+)



Mit oder ohne Bahn, das ist eine berechtigte Frage. Der Normalweg auf den Langkofel ist, wie es der Name des Gipfels schon vermuten lässt lang. Sich den Zustieg um über eine Stunde zu verkürzen somit eine verlockende Gelegenheit. Und die Aussicht nach der Tour wieder gemütlich ins Tal zu Gondeln sowieso. Darüber hinaus ist es fast schon ein Erlebnis mit der alten Seilbahn hinauf zur Toni Demetz Hütte zu fahren. In jeder Gondel haben lediglich 2 Personen stehend Platz.



Wir entscheiden uns dagegen. Die Vorteile für den Zustieg zu Fuß überwiegen. Zum einen können wir früher starten beinicht ganz 100 prozentiger Wetterlage mit möglichen Gewittern am Nachmittag und zum anderen bleiben 15€ für das Bier danach im Geldbeutel. Fit fühlen wir uns auch. Also los.



Ein heftiges Gewitter in der Nacht hat nicht nur dafür gesorgt, dass wir gleich zu Beginn des Weges Nr. 525, der hinauf zur Langkofelscharte führt, einen kleinen See umrunden müssen, sondern auch dafür, dass unterhalb der Toni Demetz Hütte der Weg an einigen Stellen komplett weggespült wurde. Die großen Rinnen, die es jetzt zu überwinden gilt zeugen von der unglaublichen Gewalt von Wasser.



Eine Stunde nachdem wir am Parkplatz gestartet sind huschen wir an der Hütte vorbei, steigen dahinter ein paar Höhenmeter hinab in das Langkofelkar und stehen bald am Beginn des Fassanerbandes. Hier seilen wir uns an und steigen nochmal ein paar Meter ab, bevor es wieder einfacher entlang von recht deutlichen Pfadspuren entlang des Bandes endlich leicht ansteigend Richtung Gipfel geht. Etwas unangenehm ist das viele lose Geröll, das durch das Gewitter in der Nacht überall herumliegt und höchste Konzentration erfordert. Viele zum Teil auch recht große Brocken fangen bereits bei einem schiefen Blick an zu rollen und rutschen. Leider stürzt am Tag darauf ein junger Österreicher am Fassanerband tödlich ab. Ob ihm genau dieses lose Geröll zum Verhängnis wurde oder nicht kann nur spekuliert werden. Das ist jedoch gut möglich.




Konzentriert klettern und gehen wir am kurzen Seil entlang des Bandes, mal in Rinnen, mal außen an Schuppen vorbei immer im I-er und II-er Gelände bis zur ersten Kletterpassage im III. UIAA Grad. Schlingen in Sanduhren für Standplätze oder Zwischensicherungen sind vorhanden. In 2 kurzen genussvollen Seilllängen erreichen wir wieder ein breites und einfaches Band dem wir folgen.



Bald geht es rechts hinauf zu einer Scharte. Dahinter befindet sich ein kurzer Klettersteig der leicht abwärts verläuft. Es folgen wieder kurzweilige Kletterpassagen hinauf in eine weitere Scharte (maximal III). Dort steigen wir gut 20 Meter ab und queren die Wand immer leicht aufsteigend bis wir uns schließlich am Langkofelgletscher wiederfinden. Oder den traurigen Rest davon. Anstatt wie früher durch die Eisrinne verläuft der Weg heute links davon auf der Felsrippe. Sie ist gut eingerichtet und man klettert in einem festen Fels.



Hat man eine kurze Passage mit Eisenklammern überwunden quert man immer höher steigend oberhalb der Eisrinne bis zu einem weiteren fixen Drahtseil. Bald darauf erreicht man eine weitere Scharte und gelangt durch diese in das Amphietheater. Hier kommt der heute gängige Normalweg mit der Route der Erstbegeher von 1869 zusammen. Über die sogenannte Führerrinne verläuft die Route bis maximal III+ vorbei am Pyramidenturm hinauf auf eine Rippe (hier nicht links der Rippe im einfacheren Gelände klettern, da ziemlich viel Geröll herumliegt, das für die nachfolgenden Seilschaften zu gefährlichen Geschossen wird. Es ist sicherlich die objektiv gefährlichste Stelle des Langkofel Normalweges!). Entlang der Rippe erreicht man in Kürze die grüne Biwakschachtel.



Auf der Rückseite des gelben Turmes, der über der Schachtel thront, befindet sich die Schlüsselstelle, welche exponiert hinaufführt auf den Turm (III+). Nun gilt es nur noch dem Grat über einige Türme hinweg oder unterhalb links davon zu folgen und bald steht man auf dem Gipfel des Langkofels. Jenen Turm mit dem Holzkreuz, das interessanterweise nicht auf dem Hauptgipfel steht, umgeht man dabei ebenfalls links.



4 Stunden Konzentration und kurzweilige Kletterei in einem der schönsten Ambientes der Dolomiten liegen hinter uns. Wir genießen den Gipfel und das Panorama so gut es geht. Wohl wissend, dass uns ein ebenso langer Abstieg bevorsteht.



Der Abstieg verläuft genau entlang des Aufstiegsweges. Lediglich am gelben Turm wird direkt hinunter zur Biwakschachtel geseilt. Weiter Abseilstellen befinden sich in der Führerinne und an der Rippe oberhalb der Eisrinne. Auch die Wandstelle am Fassanerband wird abgeseilt. Der Rest wird oft querend bzw. leicht absteigend abgeklettert. Für den Abstieg sollte man nochmal dieselbe Zeit wie für den Aufstieg einplanen.



Flotte Seilschaften schaffen es mit der ersten Bahn hochzufahren und wieder vor der Fahrt der letzten Bahn an der Toni Demetz Hütte zu sein. Da wir jedoch auch den Weg herauf zu Fuß gemeistert haben lassen wir den Tag mit einem wohl verdienten Weizen bei der Hütte ausklingen. Das Budget dafür haben wir uns ja bereits am Morgen erspart. Im Anschluss steigen wir gemütlich zurück zum Sellapass.



Ein langer Tag, ein traumhafter Gipfel, viele unglaublich schöne und atemberaubende Kletterstellen und ein wildes, märchenhaftes Ambiente inmitten einer Dolomitenlandschaft, die nur wenigen vorenthalten bleibt. Eine Tour die für Liebhaber der Dolomiten so ziemlich alles zu bieten hat, was deren Herzen höher schlagen lässt. Was will man mehr von einem Tag in den Bergen?



Topo: Langkofel - Normalweg (III+)


Quelle: Klettern in Gröden und Umbebung - Band 1 (Mauro Bernardi)


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Tags: Alpinklettern, Südtirol, Gröden, Langkofel, Normalweg, Topo


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