Mont Blanc - Royal Traverse (AD)


Schwerst bepackt und in der ärgsten Mittagshitze mich und die Ausrüstung höher schindend, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich unsere geplante Tour je durchhalten würde. In 3 Tagen wollten wir über die Domes du Miage bis zur Durierhütte, von dort über die Aiguille zu Bionnissay bis zum Dome du Gouter und weiter über den Mont Blanc bis zur Cosmique Hütte: die Traverse Royal auf den Mont Blanc also.



Gaaanz hinten in Notre Dame de la Gorge - nach dem Talort Les Contamines Montjoie - parkten wir unser Auto nach über 7 Stunden fahrt und schulterten die schweren Rucksäcke mit Ausrüstung und Proviant für 4 Tage.



Von 1.200 mt. Meereshöhe ausgehend hatten wir am ersten Tag ein Pensum von 1.400 Hm vor uns um vorbei an der Refuge de Tre la Tete auf das Refuge des Conscrits auf 2.600 mt. zu gelangen. Ein ordentlicher Hüttenzustieg. Die Rucksäcke und die Mittagssonne sorgten dafür, dass wir in der Nacht keine Probleme mit dem Schlafen hatten – so todmüde fielen wir am Abend nach einem ausgezeichnetem Nachtmahl in die angenehmen Betten der Conscritshütte.

Früh – wie so üblich bei den Hochtouren im Sommer – klingelten reihenweise die Wecker in den Lagern. Irgendwann schälten auch wir uns aus den Schlafsäcken und begaben uns zum Frühstück. Der Plan für heute: Aufstieg zunächst weglos hinter der Hütte bis zum Gletscher am Col de la Berangere und über den Dome du Miage oder besser gesagt über mehrere Gipfel (die Domes de Miage) bis auf den etwas brüchigen Felsgrat der uns zur urigen und winzigen Durierhütte bringen soll. Der Plan war auch bald in die Tat umgesetzt und um 12 Uhr saßen wir bereits mit der sympatischen Hüttenwirtin vor besagter Hütte in der Sonne und genossen den restlichen wunderschönen Tag mit hochgelagerten Beinen.



Geweckt wurden wir um 3 Uhr früh. Zusammen mit einer spanischen Seilschaft würden wir an diesem Tag die einzigen unterwegs auf dieser Tour sein.





Im Schein der Taschenlampen suchen wir uns den Weg, zunächst nicht schwierig in steinigem Gelände (später auch immer wieder Eis- und Firnpassagen) hinter der etwas größeren Biwakschachtel mit sehr guter Köchin, mehr ist die Durierhütte wahrlich nicht, bis zum Einstieg der Schlüsselpassagen dieser Royalen Traverse: der Felsteil bevor man auf den messerscharfen Firngrat der Aiguille du Bionnissay gelangt. Hier ist ordentliches Zupacken im IV. Grad erforderlich. Der Fels ist fest und die Kletterei ein Traum – das Ende des Felsteils viel zu schnell erreicht.

Nun geht es über eine steile Eisflanke direkt hinauf auf den wirklich messerscharfen Grat mit atemberaubenden Tiefblicken. Wir hatten natürlich nichts davon, sondern kletterten im dichten Nebel. Die Bedingungen auf dem Grat waren leider nicht besonders gut und wir konnten nicht direkt auf dem Grat gehen sondern mussten an den Flanken, zum Teil im Blankeis, entlangklettern und mit Eisschrauben sichern. Das kostete uns einiges an Zeit.

Als wir am Dome du Gouter ankamen war es genau Mittag. Ich hatte irgendwo gelesen, dass, wenn man nicht innerhalb des Vormittags am Dome du Goute ist, unbedingt zur Gouterhütte absteigen sollte und erst am nächsten Tag zum Gipfel des Mont Blanc weitetgehen. Da waren wir nun um 12 Uhr Mittags an besagtem Punkt - und gingen weiter. Armin war bereits einmal auf dem Mont Blanc und hatte mich vorgewarnt vor den unglaublichsten „Bergsteigern“ die hier unterwegs sind (und hier oben eigentlich nichts verloren hätten). Und denen begegneten wir tatsächlich zur Genüge.



Zum Glück mussten wir uns auf uns konzentrieren, die Beine waren komplett müde von den anstrengenden Tagen mit den schweren Rucksäcken und die Energiereserven fast aufgebraucht. Trotzdem überholten wir noch viele und fragten uns ob die alle bis 10 uhr ausgeschlafen haben, wenn sie von der Gouterhütte gestartet sind?


Egal: wir erreichten den Gipfel und machten uns an an langen Abstieg bis zur Cosmiquehütte. Mit 2 Gegenanstiegen jeweils einen am Mont Maudit und am Mont blanc du Tacul. Am Mont Maudit war in der steilen Flanke einmal abzuseilen. Wir gingen ohne langes Zögern an den völlig überforderten Tschechen vorbei die noch protestierten, dass sie bereits 2 Stunden warten – italienermodus an: und mit einem mitleidigen Achselzucken kommentieren – schnell das Seil eingehängt und in Null-komma nix waren wir weg. Ein Tscheche bat mich noch flehend um Hilfe für die 2 Meter herunter zum Fixpunkt an dem wir unser Seil befestigt hatten als Armin bereits abseilte: I'm so afraid – please help“ – ich half und dachte mir nur: „ok, Armin hatte definitiv recht mit seiner Vorwarnung“.

Beim Gegenanstieg zum Mont Blanc du Tacul legten wir nochmal eine längere Pause ein, packten den Kocher aus und machen Tee. Dabei beobachten wir wie ein Teil der Tschechen in der steilen Flanke als Seilschaft abrutscht und nach 100mt. zum Glück unverletzt zum Stehen kommt.

Wir packen wieder zusammen und erreichen um 7 Uhr am Abend – nach 16h auf den Beinen – die Cosmiquehütte. Glücklich und zufrieden schlafen wir ein, mit dem Wissrn am nächsten Tag ausschlafen zu können um dann über den Cosmiquegrat auf die Aiguille du Midi zu gelangen wo uns die Bahn nach Chamonix bringen wird. Danach fuhren wir direkt in die Dauphine um die Königstour – die Meije Traverse zu machen…


Karte - Royal Traverse:


Routenbeschreibung:

Quelle: Chamonix (Charlie Boscoe)


Fakten zur Tour:

Länge: 41 km

Höhenmeter: 5.000

Schwierigkeit: AD/III


GPX Daten:

Mont Blanc
.gpx
Download GPX • 238KB


Tags: Hochtour, Westalpen, Frankreich, Mont Blanc, Royal Traverse, Domes du Miage, Aiguille du Bionnassay, Mont Blanc du Tacul

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Andreas Brunner Georg Plattner Str. 12  39040 Feldthurns

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