• andreas0102

Monte Agner - Nordkante (VI+)

1600 Meter Wandhöhe - die längste Route der Dolomiten


Ein Abenteuer das man lange genießen kann: Die Nordkante am Monte Agner. Der Routenverlauf ist nicht schwierig zu finden, da er sehr logisch dem einfachsten Weg entlang der Kante folgt. Und im unteren Teil, wo es in einen Kampf Mensch gegen Latschenkiefer ausartet finden sich stets Pfadspuren und eine kleine Gasse durch das Ästegewirr.


Alpinklettern Monte Agner Nordkante Dolomiten Topo
Alpinklettern an der Agner Nordkante

Unser Plan : Am Freitag arbeiten bis Mittag, dann direkt ins Valle di San Lucano fahren und klettern so lange es hell ist. Einen der schönen Biwakplätze nutzen und am zweiten Tag bis zum Gipfel klettern. Die gesamte Route an einem Tag, inklusive Abstieg und zurückstoppen zum Auto ist ein gesalzenes Tagespensum und nur für sehr schnelle und fitte Seilschaften zu empfehlen.

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Routenverlauf - Monte Agner Nordkante

Die Schäden des Sturmes vom Herbst 2018 sind überall deutlich sichtbar und es wird noch viele Jahre dauern bis sich die Natur von diesem Ereignis erholen wird. Vor allem „unwichtigere“ Infrastrukturen wie Wege und Steige sind noch viele die bisher nicht wieder instand Gesetzt wurden. Natürlich auch der wenig frequentierte Weg auf das Bivacco Cozzolino, das als Ausgangspunkt für viele Routen an der Agner Nordwand und den umliegenden Gipfeln dient. Es ist recht mühsam sich einen Weg durch die kreuz und quer liegenden Bäume zu erkämpfen. Erst nach einer halben Stunde sind wir auf einer Höhe angelangt, wo die Bäume dem Wind trotzen konnten und sind wieder auf den eigentlichen Zustiegsweg gestoßen.

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Schäden des Sturmes vom Herbst 2018

Von da an ging es dann recht zügig zum Einstieg. Knapp 1.5 Stunden anstatt der üblichen 1 Stunde haben wir aufgrund der Sucherei gebraucht.


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Kurz vor dem Einstieg gilt es noch eine brüchige und sandige Rinne hochzuklettern, die etwas unangenehm ist. Sobald man an der Scharte ist, ist nach 10 Metern rechts der Einstieg mit einem verblassten Pfeil markiert.





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Die erste Seillänge der Agner Nordkante - oft nass

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Die ersten Seillängen sind oft nass und einige Steine die nur so in der Erde stecken halten kaum das anschauen aus ohne den Weg in die Tiefe anzutreten. Dafür gibt es ein reiches Angebot an Latschenästen die als Griffe herhalten. Alles was dicker als ein Daumen ist wurde ohne Kompromisse voll belastet. So geht es in 4SL in einem Mix aus Fels, Gras und Latschenkletterei nach oben. Stand an irgendeiner vertrauenswürdig ausschauenden Latsche.



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Danach folgt eine einfache Länge im sandigen Bruch leicht schräg nach rechts, bevor es rechts in einer Verschneidung wieder festen Fels zwischen die Finger gibt. Vor einer weiteren Verschneidung kann man Stand an zwei Nägeln machen und dann entweder wie im Topoguide Topo durch die zweite Verschneidung oder einfacher nach links auf eine Kant queren und dort direkt in den nächsten Latschenwald hineinklettern. Stand wie gehabt: Latschen.


Es folgt senkrechte (zu unserer Freude zusätzlich noch komplett durchnässte) Erde, gemischt mit viel Gras und links und rechts die bereits bewährten Latschengriffe. Wenn dieses Gelände trocken ist, kann es gut ohne Seil geklettert werden. Nach knapp 50mt. wird wieder Stand an einem morschen Baum gemacht. Ab hier wird das Gelände etwas flacher und einfacher. Es gilt lediglich einem kleinen Pfad durch die Latschen zu folgen und man kann schnell einige Meter hinter sich bringen. Auf einer kleinen Lichtung gelangt man schließlich zum ersten guten Biwakplatz in dieser Tour. Da wir noch weitere 2 Stunden Tageslicht nutzen wollten entschieden wir uns gleich weiterzumachen.

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Kurze Felspassagen zwischen viel Botanik im unteren Wandteil

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Am Gelände ändert sich zunächst nichts. Hin und wieder ist ein kleiner Felsaufschwung zu erklettern bevor es wieder mit Hand und Fuß gegen die aufdringlichen Latschen geht. Nach einer halben h gelangt man schließlich an eine Art Felsgrat.


Hier haben wir das Seil wieder ausgepackt und haben das Stück entlang des Felsrückens (meist wird oben am Grat oder leicht links davon geklettert) wieder gesichert. Am Ende dieser Felspassage findet sich ein perfektes Biwakplätzchen direkt im Schutz einer leicht überhängenden Wand. Es markiert gleichzeitig das Ende der ersten Gratschulter und den Beginn des 2. Aufschwungs. Es ist bereits 20 Uhr und wir entschließen uns hier unser Nachtlager aufzuschlagen.

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Morgenstimmung an Beginn des 2. Grataufschwungs

Am nächsten Morgen sind wir direkt an der Kante hoch. In einigen Topos findet sich der Hinweis nach links zu queren und über, zwar einfacheres, aber brüchiges Gelände nach oben zu klettern. Oberhalb dieser Passage war es zu einem Felssturz gekommen und hat den darunterliegenden Bereich in Mitleidenschaft gezogen.

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Die erste Ver Länge am 2. Grataufschwung

Direkt an der Kante geht es in einer IVer Länge nach oben und dann etwas nach links in wieder leichtere Passagen. So geht es 2 Seillängen (III) links der Kante nach oben bis zu einem Absatz vor einem steilen Aufschwung. Die folgende steile Seillänge (V) verläuft direkt an der Kante. Stand wiedermal bei einer Latsche. Dann kann das Seil wieder zusammengepackt werden: Es geht nochmal durch Latschen und kleineren Aufschwüngen (max. III) ca. 150mt. nach oben, bis man zu einem wunderschönen Biwakplatz auf der 2. Kantenschulter kommt.