Erstbegehung: Olle Heilign Zeitn (VI)

Mont de Seura - Val Chedul

Endlich hatten es Florian und ich geschafft wieder einmal gemeinsam eine Tour zu unternehmen. Die Alpinklettersaison neigte sich dem Ende und wir planten eine Erstbegehung. Im Val Chedul hinter den Cierspitzen, vom Grödner Joch in 45 Minuten über das Cierjoch zu erreichen, befindet sich der Mont de Seura. Ein Felsriegel mit mehreren um die 150mt. hohen Türmen, an denen noch einiges an Potential für neue Routen sein dürfte.


Flor hatte in der Woche zuvor beim Abstieg der „Rakhiot Führe“, die sich ganz im linken Bereich dieses Felsriegels befindet, einen der Türme ins Visier genommen und einen möglichen Weg durch die Wand ausgemacht. Ich war sofort von der Idee begeistert, und so standen wir eine Woche später bereits am Einstieg.


Beim Zustieg studierten wir die Linie und waren uns über den potentiellen Routenverlauf schnell einig. Noch kurz das Material sortiert und schon war Florian in den ersten Metern unterwegs. Die gesamte Länge in diesem gelben Wandteil bot schöne Risse - sowohl zum Klettern als auch zum Absichern. Der Fels ist bis auf die ersten paar Meter vom Feinsten und sollte nach oben hin sogar immer besser werden. Flor versenkte ein paar Nägel und Friends und war bald ums Eck verschwunden. Nach einigem Fluchen, Schimpfen und Hämmern das ich von oben vernahm, kam bald darauf das erlösende Kommando „Stand“. Diese erste Länge machte bereits Lust auf mehr und das weitere Gelände sah vielversprechend aus.


Jetzt war ich an der Reihe. Vom Stand direkt nach rechts zu einer großen Schuppe war der Plan, der mithilfe eines Friends und Nagels abgesichert in die Tat umgesetzt wurde. Ich folgte dieser Schuppe bis zu ihrem Ende, kletterte eine Platte hoch und fand mich auf einem breiten Band wieder, an dessen rechten Ende ich einen guten Standplatz bauen konnte.


Der Weg direkt nach oben schien versperrt. Auch die ersten Meter vom Stand weg entlang der Linie, welche wir uns von unten vorgenommen hatten, schienen schwieriger als erhofft. Vor allem die nicht vorhandenen Möglichkeiten Zwischensicherungen unterzubringen gab uns zu denken. Gemäß der alten Alpinistenweisheit „Ist es gerade hoch zu schwer, dann quer“, wollte ich weiter rechts eine Möglichkeit finden nach oben zu kommen. Der Quergang wurde immer schöner und immer länger. Er führte unter einem Dach hinweg und endete schließlich gut 20 Meter später an einer Sanduhr, wo ich den nächsten Standplatz bezog. Der Weg nach oben war von hier aus wieder frei. Begeistert von dem schönen Quergang kam Flor nach und war bald darauf schon über mir im Vorstieg für die nächste Länge.


Über schwarze Platten kreuzten wir hier vermutlich eine ältere Tour, da wir auf eine gefädelte Sanduhr stießen. Bald darauf waren wieder keine Spuren einer früheren Begehung mehr zu finden und Flor fand eine super Linie im sehr kompakten und rauen Fels, bis er links unterhalb einer markanten Verschneidung den nächsten Standplatz in einer Nische bauen konnte.

Nun durfte ich wieder an das scharfe Ende des Seils und nahm diese so vielversprechend aussehende Verschneidung in Angriff. Über rötliches Gestein, das dermaßen rau ist, dass es in den Fingern schmerzte, kletterte ich in die Rissverschneidung. Bei besten Absicherungsmöglichkeiten kam ich schnell höher. Die Schlüsselstelle der Route verläuft in dieser Verschneidung über einen kurzen Bauch, der sich wunderschön klettern lässt. Am Ende der Verschneidung hatte ich zunächst einige Probleme in dem kompakten Fels einen ordentlichen Stand zu bauen und Flor musste in der frischen Novemberluft etwas warten.

Die letzte Länge war dann ohne größere Schwierigkeiten reine Formsache. Überglücklich, dass uns hier eine wirklich schöne und für Wiederholer sehr lohnenswerte Route in der sonnigen Südseite des Mont de Seura gelungen war, kehrten wir zurück ins Tal unter die Wolkendecke welche den gesamten Tag unter uns als Wolkenmeer für eine magische Stimmung sorgte.

Es war Allerheiligen, und da Flor und ich in diesem Jahr nur alle Heiligen Zeiten zusammen unterwegs sein konnten, passt der Name der Route gleich in doppelter Hinsicht.


Topo: Mont de Seura - Olle Heilign Zeitn (VI)


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Mont de Seura - Olle Heilign Zeitn (VI)
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Tags: Alpinklettern, Südtirol, Dolomiten, Grödner Joch, Herbst, Erstbegehung, Mont de Seura, Olle Heilign Zeitn

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