• andreas0102

Ortler - Schückrinne und Hochjochgrat


Skitour, Ortler, Schückrinne, Hochjochgrat, Hochjochbiwak

Ein nerviger Piepston holt mich aus meinem Halbschlaf. Es dauert ein paar Sekunden, bis ich mitbekomme, wo ich bin. Im Auto von Armin auf dem großen Parkplatz in Sulden, am Ende der Straße bei den Seilbahnen. Es ist hell, aber nur, weil diese bescheuerten Straßenlaternen an sind, die Armin bereits beim Abstellen des Autos aufgefallen waren. Ich habe jedoch behauptet, dass sie die eh nicht einschalten weil das Skigebiet wegen Corona geschlossen ist - womit ich eindeutig falsch lag. Die Konsequenz: Unser Schlaf war maximal mittelmäßig. Jetzt ist es 3 Uhr morgens, Zeit aufzustehen, der Ortler steht auf dem Programm.


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Im zweiten Auto bei Tobi und Janluca hört man bereits den Kaffee kochen. Wir genießen ein ausgiebiges Frühstück und fahren dann mit Tobis Auto hinaus ins Dorf und parken am Ausgangspunkt beim Langenstein Sessellift. Über die Skipiste steigen wir bis zur Bergstation Langenstein und weiter bis zum höchsten Punkt der Skipiste direkt unter dem Ortler, der lediglich als dunkle Silhouette bedrohlich steil über uns aufragt.


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Vor uns sind zwei weitere 3er Gruppen unterwegs. Sie folgen am Ende der Skipiste der Moräne. Unseren Vorteil, dass wir am Tag vorher von der Vertainspitze den perfekten Überblick hatten, nutzen wir aus und bleiben links von der Moräne. Müssen zunächst ein paar Meter absteigen, können aber danach genüsslich über flache Böden bis unter den Gletscherbruch des End der Welt Ferner hineinmarschieren. Rechts über uns - auf der Moräne und ohne Chance frühzeitig wieder herunterzukommen - sind die beiden anderen Gruppen. Sie müssen bis ans Ende der Moräne, etwas abfahren und unter dem Abbruch nach links ausqueren.


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Am Ende finden alle den richtigen Weg zum Einstieg in die Schückrinne. Wir schnallen unsere Steigeisen an und lassen uns Zeit. Wir haben keine Eile, da wir nicht wie die anderen über die Minnigeroderinne abfahren wollen, sondern über den Hochjochgrat bis zum Bivacco Citta di Cantu möchten. Wir starten als letzte Gruppe in die Rinne. Am Beginn sind ein zwei kurze aber nicht wirklich schwierige Aufschwünge zu überklettern, der Rest ist nicht mehr enden wollendes Schneegestapfe. Eine Tätigkeit, die einem Spaß machen muss - was bei mir in diesem Wahnsinnsambiente absolut der Fall ist. Nicht viel kürzer als die Nordwand verläuft diese Rinne unglaubliche 1.200 Höhenmeter bis fast direkt zum Gipfelkreuz des Ortlers.


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In der Rinne sind wir fast gezwungen wo es möglich ist unsere eigene Spur zu legen. Die schönen Grüße der vorderen Seilschaften lassen wir somit bestmöglich an uns vorbeisausen und klettern außerhalb der Schusslinie. So geht es fast 3 Stunden dahin. In der Rinne selbst gibt es eigentlich nur einen Verhauer im unteren Drittel, wo einige Spuren nach rechts einer Abzweigung folgen. Wir lassen uns nicht verleiten und sehen in der Folge, dass wir richtig liegen. Im restlichen Teil der Rinne kommt man nicht mehr aus und hat eigentlich keine Chance den Weg zu verfehlen.


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Zum Schluss geht es auf ein Eck hinaus, wo von rechts die Route der Ortler Nordwand heraufführt. 100 Höhenmeter verlaufen gemeinsam und kurz darauf erscheint über uns das Gipfelkreuz. Hier genießen wir erstmal das Wetter, stellen Kaffee auf und plaudern mit ein paar Sarnern, die über die Minnigerode hochgekommen sind und darauf warten, dass sie auffirnt um dort auch wieder abzufahren. Als es so weit ist, schauen wir ihnen noch zu und brechen danach selbst auf in Richtung Hochjochgrat.


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Ein paar Meter Skiabfahrt bis zum Beginn des Grates sollten die einzigen Abfahrtsmeter des gesamten Tages bleiben, der noch lange nicht vorbei sein wird. Am Gratbeginn seilen wir uns in zwei 2-er Seilschaften an. Wir wollen für den bevorstehenden Skihochtourenkurs üben. Einer Führt, der andere ist Gast. Gleich nach den ersten Metern kommt die erste Abseilstelle. Eine von lediglich zwei, die wir finden werden. Wir seilen ab und folgen einer kurzen Schneeflanke in grausigem Griesschnee, der uns bis zum Bauch versinken lässt wieder auf den Grat.


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Es geht eine Weile dahin. Alles sichernd dauert es ewig und trotzdem sind wir froh auf dem luftig ausgesetzten Grat, dass wir alle im Seil hängen. Der Fels ist meistens recht brüchig. Entweder ist der Grat einfach so insolide oder der gute und feste Fels liegt unterm Schnee vergraben. Wir finden ihn jedenfalls nicht sehr oft.


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Aus den geplanten 3 Stunden, die wir für den Grat gerechnet haben, werden schnell mehr. Die Kletterei aber vor allem die Absicherung ist anspruchsvoller als wir angenommen hatten. Abseilstellen finden wir kaum. Entweder sind sie mitsamt dem guten Fels unterm Schnee versteckt oder schlicht nicht vorhanden. An einer Stelle entscheiden wir uns über ein Köpfl in die Flanke abzuseilen, um ein kurzes Stück entlang der Schneeflanke zu klettern und dadurch einen ungemütlich ausschauenden Gratturm zu umgehen. Ein zwar mühsames Unterfangen, das uns jedoch etwas Zeit spart.


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Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir einen letzten Gratturm, den wir abseilen können. Hier sind plötzlich jede Menge Bohrhaken, die wir finden. Dahinter wird das Gelände zu unserem erleichtern endlich einfacher. Ein Schneegrat führt den restlichen Weg direkt bis zum Biwak. Begleitet von gleich 2 Adlern stapfen wir dahin und erreichen um halb 6, weit entfernt von unserem ursprünglichen Zeitplan die rote Schachtel. Die Idee, mit leichtem Gepäck noch den Zebru zu besteigen, die wir ursprünglich hatten, wird nicht mal mehr angesprochen. Keiner hat mehr Lust und Energie dazu. Kein Wunder nach fast 14 Stunden unterwegs – einen Großteil davon in Absturzgelände, das vollste Konzentration verlangt.


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Also verbringen wir den restlichen Abend mit Schneeschmelzen, um unsere Trinkflaschen wieder aufzufüllen und Abendessen zu kochen: Es gilt unsere Energiereserven wieder aufzufüllen. Am nächsten Tag steht immerhin noch die Königsspitze auf dem Plan.


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Ortler - Schückrinne und Hochjochgrat
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GP • 82KB


Tags: Skitour, Südtirol, Ortler, Schückrinne, Hochjochgrat

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