Pfunderer Quartett - Skitour

Rotes Beil - Bischofsmütze - Felbe - Grabspitze



Zwischen Pfitsch und Pfunders liegt eine besonders schöne, ursprüngliche und wilde Bergwelt. Vor allem im Winter ist in diesen Pfunderer Bergen kaum etwas los. Die Gipfel sind größtenteils steil, verwinkelt und nur wenige über einfache Routen zu erreichen. Traut man sich trotzdem eine dieser anspruchsvolleren Touren zu, ist die Auswahl an Möglichkeiten schier grenzenlos. Genau aus diesen Gründen hat man in dieser Gegend noch sehr gute Karten, um trotz des extremen Skitourenbooms, der wegen Corona noch einmal zugenommen hat, die eine oder andere Spur alleine in den Schnee zu zeichnen.



Eine Tour, die schon länger in meinem Kopf herumgeisterte ist die Verbindung von Roten Beil, Bischofsmütze sowie Felbe von Pfitsch aus. Aufgrund des Lockdowns in Südtirol haben wir die Tour kurzerhand etwas abgeändert und den Ausgangspunkt nach Pfunders verlegt. Zudem schien Florian noch motivierter zu sein und hat gleich noch die Grabspitze zur Abrundung dieser so schon langen und anspruchsvollen Runde vorgeschlagen.



Wir lassen uns mal alle Optionen offen und folgen dem Schein unserer Stirnlampen von Dun im Talschluss von Pfunders ausgehend hinein in die Duner Klamm und in Die Enge. Der abfallende Weg wird immer wieder von großen Lawinenkegeln unterbrochen, die einiges an Aufmerksamkeit erfordern um nicht eine Etage tiefer im Bachbett zu landen.




Nach etwas mehr als 2 Kilometern öffnet sich die Klamm etwas und das Gelände wird gutmütiger. Wir kommen an der Unteren Engbergalm vorbei und folgen kurz dem linken Tal in Richtung Weitenbergalm. Hier würde man eigentlich weiter an der Alm vorbei in das Tal gehen und mittels großem Linksbogen auf die flacheren und kupierten Böden der auf der Karte als Gampertoal bezeichneten Flächen gelangen. Wir wollen uns diese Zusatzstrecke sparen und stapfen direkt vor der Weitenbergalm rechts eine kurze Steile Flanke hoch. Zwar mühsamer jedoch wesentlich kürzer.



Jetzt sehen wir drei von vier Gipfeln, die wir uns vorgenommen haben vor uns. Unser erstes Etappenziel soll der Gipfel ganz rechts, das Rote Beil sein. Gut sichtbar aus der Ferne ist bereits die steile Flanke, welche uns auf den Grat führen wird. Leicht auf- und abwärts geht es bis zum Beginn der Flanke. Auch hier liegt wieder eine alte Lawine, die über die Flanke abgegangen war. Ohne lange zu fackeln schnallen wir die Ski auf den Rucksack, stapfen bis zum Grat hoch und über diesem weiter vorbei an einer kurzen jedoch einfachen Kletterpassage bis zum höchsten Punkt des Roten Beils.



Von hier aus sehen wir auch Etappenziel Nummer Zwei: Die Bischofsmütze - alias Hintere Langspitze. Wir folgen dem Grat also wieder zurück bis zur Scharte und fahren jetzt in Richtung Pfitsch auf der Nordseite ab. Der Schnee ist bescheiden. Etwas skeptisch sind wir bereits bei dieser ersten Abfahrt ob wir auch die steile Rinne, die wir eigentlich geplant hätten abzufahren, bei den aktuellen Bedingungen fahren können. Die Hangexposition wäre in etwa dieselbe - nicht so gut.



Wir probieren es trotzdem und steigen die Ostrinne bis zur Scharte zwischen der Vorderen- und der Hinteren Langspitze auf. An der Scharte angelangt wird der Blick in die von Heini Holzer erstbefahrene Nordwestrinne frei. So gut es fürs Auge auf dem ersten Blick ausschaut, so ungünstig sind die Bedingungen. Unter einer millimeterdicken Neuschneeauflage lauert eine pickelharte und alles andere als griffige Schicht. Ich mache eine vorsichtige Kurve in die Rinne und merke sofort: Besser wir kommen für diese Abfahrt ein anderes Mal wieder. So würde das keinen Spaß machen.



Also fahren wir einfach wieder über die bereits aufgefirnte Ostrinne ab und beginnen unseren Aufstieg zur Felbe. Vorbei am Langsee, sowie nordwestlich der Hochsäge queren wir die recht steilen Hänge rüber bis zum Grat, der auf die Felbe führt. Im Nachhinein wäre es zehn mal schlauer gewesen, die hundert Höhenmeter abzufahren und unterhalb der Scharte gemütlich wieder aufzusteigen. So kommen wir mit etwas "gemergle" den gesamten Hang steil querend, mit den Skiern auf dem Rucksack und zahlreiche Tälchen ausgehend jedoch auch irgendwann auf den Grat. Der kurze - jedoch schöne und relativ ausgesetzte Firngrat ist dann nur noch Formsache und so stehen wir wenige später auf dem Gipfel. Oder fast zumindest. Die letzten überwechteten Meter sparen wir uns.



Die folgende Abfahrt führt entlang einer versteckten südexponierten Rampe hinunter bis zu den großen Ebenen Flächen am Fuße von Felbe und Grabspitze. Ein perfekt aufgefirnter Hang und eine tolle Abfahrt machen Lust auf mehr. Also fällt uns die Entscheidung leicht, den Plan, welchen wir uns am Morgen vorgenommen haben auch in die Tat umzusetzen. Wir Fellen ein viertes Mal auf und beginnen unseren Aufstieg in Richtung Pfunderer Joch. Ziel: Die Grabspitze.



Ähnlich wie auf die Felbe, führt auch auf die Grabspitze eine versteckte Rinne über den ersten Felsriegel und ermöglicht so den Zugang zum Gipfel - auch über den nur äußerst selten begangenen Südanstieg. Der Aufstieg ist steil, die Skier landen gleich zu Beginn der Rinne auf dem Rucksack und werden erst am Gipfel diesen auch wieder verlassen. Es ist ein genialer Tag für diese Runde. Es herrscht praktisch so gut wie keine Lawinengefahr und auch die Temperaturen sind kühl, damit wir uns von einer tageszeitlichen Erwärmung und daraus resultierenden Nassschneelawinen nicht fürchten brauchen.



Es ist bereits 15 Uhr, als wir die Rinne hoch, den folgenden Schneeriegel nach links gequert und über die große Fläche der Südwestflanke bis auf den Grat gestiegen sind. Dem Grat folgen wir etwas ausgesetzt und ständig auf große Wechten achtend bis zum Gipfel. Hier sitzen wir nun und genießen unseren look down auf den Lockdown über Südtirol, der Moment ist genial. Was für eine traumhafte Runde, was wir ein traumhafter Tag, was für traumhafte Skiberge. Die zurückgelegte Strecke ist zwar lang, genauso wie die zurückgelegten Höhenmeter viele sind - Jeder Einzelne jedoch war es Wert.



Die Abfahrt zurück über die Südwestflanke - die noch immer nicht aufgefirnt hatte - ist steil und hart. Überhaupt ist die gesamte Runde nur etwas für sehr konditionsstarke Skibergsteiger, die auch vor steileren Abfahrten im Absturzgelände nicht zurückschrecken. Über die Route, die wir bereits vom Aufstieg kannten, sind wir auch wieder an der Südseite der Grabspitze abgefahren bis zum Pfunderer Joch. Weiter hinunter bis zur Weitenbergalm und durch Die Enge zurück nach Dun.




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Tags: Skitour, Südtirol, Pfunderer Berge, Rotes Beil, Bischofsmütze, Hintere Langspitze, Felbe, Grabspitze

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