Weisskugel - Skitour



Zwei Tiefdruckgebiete hintereinander haben die Berge über Südtirol in ein weißes Kleid getaucht. Es ist Ende Oktober, für einige Tage herrschten hochalpin bereits beste Skitourenverhältnisse. Die Klassiker - für all jene, die es kaum erwarten können ihre Tourenski anzuschnallen - wie Marmolata, Suldenspitze sowie dem Zuckerhütl von Stubai aus werden entsprechend gut besucht. Hauptsache hoch genug starten lautet die Devise, dann gibt es eine ordentliche Schneeunterlage.



Unser Plan ist es, von Schnals, auf 2.000 Meter ü.M. zu starten und über die Skipisten des Gletscherskigebietes bis auf das Teufelsegg zu steigen, von dort auf den "Hintereisferner" abzufahren und weiter auf die Weisskugel zu gehen. Ein ordentlicher Ausdauertest gleich zu Beginn der Skitourensaison. Am Ende wird unser Track 2.400 Höhenmeter sowie knapp 20 Km Strecke anzeigen.



Wir erwarten deshalb, dass auf dieser Tour nicht viel los sein wird. Sehr viel mehr Skitourengeher würde man hier treffen, sobald der Sessellift "Teufelsegg" in Betrieb ist. Damit kann man sich über 1.000 Höhenmeter Aufstieg sparen.



Die Hoffnung, dass wir auf der Talabfahrt von Grawand nach Kurzras zumindest eine zusammenhängende Schneedecke vorfinden, müssen wir am Parkplatz wieder vergraben. Zu warm waren die Temperaturen in den letzten Tagen. Bei einer Null Grad Grenze auf 3.300 Metern jedoch auch kaum verwunderlich. So schnallen wir unsere Skier zunächst auf den Rucksack und steigen die ersten 200 Höhenmeter über die Skipiste zu Fuß auf. Dann endlich das, was wir uns für den unteren Teil der Pisten bereits erhofft hatten: Die Schneekatzen haben den Neuschnee angefahren und präpariert.



Nur kurz kommen wir in den den Genuss dieser bestens präparierten Skipiste, an der Teufelsegghütte auf 2.430 Metern verlassen wir diese auch schon wieder, denn es geht links hinauf in Richtung Teufelsegg. Hier gibt es keine Beschneiungsanlagen und der Hang ist nach Südosten ausgerichtet, dementsprechend mager schaut es mit dem Schnee aus. Aber es gibt zumindest eine zusammenhängende, wenn auch nur sehr dünne Schneeunterlage und wir können die Ski anbehalten. Bald stehen wir am Teufelsjoch, überqueren das Teufelsegg und nehmen die erstbeste Möglichkeit über die nördliche Flanken hinunter auf den "Hintereisferner" zu fahren.



Wieder auffellen und weiter geht es über eine wunderschöne und tief verschneite Gletscherwelt in Richtung Weisskugel, die direkt vor uns liegt. Es könnte kaum etwas schöneres geben, als inmitten dieser extrem weitläufigen Landschaft komplett allein unterwegs zu sein und die ersten Spuren in den Schnee zu ziehen. Genau so haben wir uns das erhofft.



Wir steigen über den gleichmäßig ansteigenden Hang in Richtung "Hintereisjoch" und lassen die Langtaufererspitze dabei rechts liegen. Wir sind bereits auf knapp 3.400 Metern Höhe. Langsam machen sich die Oberschenkel bemerkbar, die solche Touren eigentlich lieber gegen Ende der Saison machen würden. Doch das Wetter, die Kulisse und unsere motivierte 3er Gruppe machen das bei weitem wieder wett. Gleichmäßig gewinnen wir immer weiter an Höhe.



Wir lassen das "Hintereisjoch" hinter uns, wechseln auf die Südwestseite des Berges und haben noch einen letzten steileren Hang zu bewältigen (ca. 35°). Wieder flacher werdend steuern wir direkt auf den kurzen Gipfelgrat zu. Auf 3.700 Metern errichten wir am Beginn des Grates unser Skidepot und tauschen die Bretter gegen die Steigeisen. Gerüstet mit einem Eispickel in der Hand wühlen wir uns über den tiefst verschneiten Grat in Richtung Gipfel.



Der Grat ist nie wirklich schwierig. Einzig das freiwühlen der Griffe und Tritte braucht etwas Zeit. Doch wir haben sowieso keine Eile und genießen die kurze, genussvolle "Kletterwühlerei" in vollen Zügen. Den Gipfel stets im Blick. Der Grat könnte definitiv noch eine Weile so weitergehen, doch das vergnügen ist nur von kurzer Dauer und schon stehen wir auf Südtirols vierthöchstem Gipfel (Nach dem Ortler, der Königsspitze und der Hinteren Zufallspitze).



Null Wind und die - sogar für Oktober - warmen Temperaturen laden uns zum verweilen an diesem wunderbaren Flecken Erde ein. Wir genießen die Ruhe und die Abgeschiedenheit. Keine Menschenseele scheint unterwegs zu sein, bis wir weit unter uns auf dem Gletscher zwei winzige Punkte erkennen, die ihre Spuren in Richtung Langtaufererspitze ziehen. Wie klein sie sind, macht uns nochmal deutlich welch große Dimensionen inmitten dieser hohen Dreitausender herrschen.



Als wir uns satt gesehen (und satt gegessen) haben, machen wir uns auf den Rückweg. Der Schnee in der Abfahrt ist zwar nicht mehr pulvrig, jedoch auch kein Bruchharsch. Die Schneedecke ist etwas vom Wind gezeichnet, was auf diesen Höhen kaum verwunderlich ist - lässt sich aber erstaunlich gut fahren. Man muss dazu sagen, dass die Weisskugel (von Schnals aus) auch definitiv alles andere als eine schöne Skitour ist - im Sinne von schönen Abfahrten. Auf den gesamten 2.400 Höhenmetern sind vermutlich fürs Skifahren 500 Höhenmeter gute Skihänge dabei. Der Rest verläuft ehern flach auf dem Gletscher, lässt sich zwar immer gut Fahren, jedoch kommt man nicht wirklich ins "wedeln".



Die Weisskugel sollte man als traumhafte Gipfeltour sehen, die mit Skiern einen weitaus größeren Genuss darstellt als zu Fuß. So kommen wir schnell über die - wie bereits erwähnt - leicht geneigten Hänge des "Hintereisferner" zurück auf knapp 2.900 Meter Meereshöhe. Jenem Punkt, wo wir erneut unsere Felle montieren und unsere Motivation aus dem Rucksack holen müssen: Für nochmal knapp 300 Höhenmeter Gegenanstieg.



Ordentlich paniert erreichen wir das Teufelsegg (3.225 mt.) und freuen uns auf einen skifahrerischen Alptraum hinunter bis Kurzras. Wobei wir den oberen Teil der Hänge noch überraschend gut fahren können. In den Mulden liegt genug Schnee und die Hälfte des Hanges legen wir somit recht flott zurück. Dan wird´s knusprig. Wir versuchen uns so leicht wie möglich zu machen auf unseren Skiern. Immer sanft und mit möglichst wenig Duck gleiten wir über die hauchdünnen Schneedecke. Darunter wartet ein Minenfeld von Steinen. Immer wieder gibt es einen ordentlichen Bremser und eine schöne Erinnerung an die Weisskugel auf dem Skibelag. Solange die Kanten dort bleiben wo sie hingehören alles kein Problem.



Nach einer gefühlten Ewigkeit, die wir für diese 400 Höhenmeter "schneetechnisch schwierigen" Abfahrt brauchen, erreichen wir wieder die Skipiste. Nochmal können wir einige genussvolle Schwünge ziehen. Die Pisten sind aufgeweicht von den warmen Temperaturen. Es fühlt sich an, als sei es die letzte Skitour der Saison im späten Frühjahr: Angefangen bei der Länge der Tour, dem weichen Schnee am Nachmittag und der Tatsache, dass der Schnee irgendwann fertig ist und wir die letzten Meter zurück zum Auto zu Fuß zurücklegen müssen.



Und wer weiß, wie sich die Situation in diesem Winter entwickeln wird. Hoffentlich fühlt es sich nur an wie die letzte Skitour dieses Jahres - und wird nicht aufgrund der inzwischen wieder stark steigenden Coronazahlen tatsächlich Realität...wir werden sehen. Ansonsten wäre diese Tour auf die Weisskugel auf jeden Fall ein Saisonabschluss nach Maß gewesen. ;)



Karte:


GPX Daten:

Weisskugel
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Tags: Skitour, Skihochtour, Südtirol, Schnals, Weisskugel


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